Die Eintrachtabwehr wurde gegen Würzburg mehr als gewünscht gefordert. Foto: Matthias Schumacher
Nach dem ersten Auswärtssieg am 28. Spieltag beim Konkurrenten im Abstiegskampf, dem VFL Osnabrück, machte sich Selbstzufriedenheit breit in Braunschweig. Mit einer überzeugenden Leistung wurde das Duell der Niedersachsen gewonnen, und die restlichen Aufgaben in dieser Saison schienen mehr als machbar. Aber spätestens nach der Englischen Woche, wo die Löwen aus drei Spielen bei zwei Heimpartien nur einen Zähler auf der Habenseite verbuchen konnten, kehrte das Abstiegsgespenst mit grossen Schritten zurück an die Hamburger Straße. Hoffnung keimte noch einmal auf, als das Team von Trainer Daniel Meyer in Düsseldorf überzeugen konnte. Beim 2:2 beim Aufstiegsaspianten stand eine Mannschaft auf dem Platz, die sich für den Verein und für die Region zu zerreißen schien, war beim Abpfiff gar dem Siegtreffer näher als die Hausherren.
Doch nur eine Woche später schienen alle guten Tugenden vergessen. Gegen die bereits als Absteiger feststehenden Kickers aus Würzburg, den Mitaufsteiger in die 2. Liga, mussten sich die Blau-Gelben im Heimspiel mit 1:2 geschlagen geben. Abgerutscht auf den direkten Abstiegsplatz machte sich Frust breit in der Mannschaft, dem Umfeld und bei den Anhängern, denn nur Wenige glaubten noch an einen Sieg im letzten Saisonspiel beim HSV. Dass sich die Mannschaft im Quarantäne-Hotel mehr als ein Feierabendbierchen zur Aufarbeitung des Spiels und der Situation gönnte, ist somit mehr als verständlich. Der Verein und auch die Geschäftsführung des Hotels dementierten im Nachhinein ausschweifende Exzesse.
Die Nichtberücksichtigung im letzten, alles entscheidenden Saisonspiel von Leistungsträgern wie Kapitän Kobylanski, Topstürmer Niko Proschwitz, Lasse Schlüter und dem zuletzt etwas glücklosen Benjamin Kessel wirft allerdings mehr als eine Frage auf. Mangelnde Trainingsleistungen als Begründung wurden vom Trainerteam angeführt, das Quartett noch nicht einmal in den Kader berufen zu haben. So bleibt ein bitterer Beigeschmack, nicht mit den besten Elf die Herkulesaufgabe beim HSV angegangen zu sein.
Quartett vor dem letzten Saisonspiel aussortiert: Lasse Schlüter, Benjamin Kessel, Martin Kobylanski, Nick Proschwitz (v.l.)
Foto: Matthias Schumacher
Mit dem Abstieg in die Dritte Liga droht ein sportliches wie finanzielles Desaster. Nur zehn Spieler besitzen noch ein gültiges Arbeitspapier, einen Vertrag, der auch in Liga 3 gültig ist. Leistungsträger wie Felix Kroos und Kaufmann, dem Kontakte nach Karlsruhe nachgesagt werden, können, wollen und werden lieber höherklassiger spielen wollen. Außerdem muss sich der Verein auch finanziell neu aufstellen. Die mangelnden Fernsehmillionen werden nach dem von der Führung selbst deklarierten finanziellen Verlust in der laufenden Spielzeit keine grossen Sprünge in Liga 2 möglich machen. Ein Neuanfang mit dem Saisonziel des direkten Wiederaufstieges erscheint zumindest derzeit utopisch. Nur auf eines können die Löwen in der Drittligasaison hoffen: ein Ende der Pandemie und ein volles Haus mit Fans, die hinter der Eintracht stehen und nicht nur Geld in die klammen Kassen spülen, sondern als 12. Mann den Gegnern den Besuch im Eintrachtstadion so schwer wie möglich machen.

 

 

Text: Matthias Schumacher

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