Bürger:innen der Letzten Generation blockieren den Bohlweg in Braunschweig

Die Klimaschutzinitiative „Letzte Generation“ protestiert vor dem Braunschweiger Schloss und fordert von der Bundesregierung, sofort mit den einfachsten Sicherheitsmaßnahmen gegen die Klimakatastrophe zu beginnen: ein dauerhaftes 9-€-Ticket für Bus und Bahn sowie ein Tempolimit von 100 km/h.

Braunschweig, 28.11.2022 – Bürger:innen der Letzten Generation stoppen heute Nachmittag friedlich den Autoverkehr in beiden Richtungen auf dem Braunschweiger Bohlweg. Einige Menschen kleben sich an der Fahrbahn fest. Rettungsfahrzeuge können die Blockade jederzeit passieren. 

Auch in weiteren Städten finden Straßenblockaden statt. Damit weitet sich der Protest gegen die verfehlte Klimapolitik bundesweit aus, während die Letzte Generation für Berlin und München eine Aktionspause für diese Woche angekündigt hatte.

Die Letzte Generation schreibt: „Alle Proteste der Kimabewegung in den letzten Jahrzehnten haben nicht den dringend notwendigen Klimaschutz in Deutschland erreicht. Daher bleibt uns nur das Mittel des friedlichen zivilen Widerstands. Die Klimawissenschaft sagt deutlich: Wir brauchen jetzt sofort wirksamen Klimaschutz. Die Zeit für uns alle läuft ab. Die nächsten Jahre entscheiden über Leben oder Untergang.

Wir können nicht länger hinnehmen, dass unsere Bundesregierung ihre ohnehin viel zu niedrigen Klimaziele mit Ansage verfehlt und damit die Verfassung und internationale Verträge bricht. Wir können nicht hinnehmen, dass besonders die FDP die rettenden Maßnahmen gegen den Klimakollaps weiterhin blockiert, mit Minister Volker Wissing im Verkehrssektor. Wir alle brauchen Sicherheitsmaßnahmen gegen die Klimakatastrophe. Geeignete Konzepte, zum Beispiel die des Bürgerrats Klima, liegen seit langem auf dem Tisch – sie müssen endlich umgesetzt werden!“

Dazu UN-Generalsekretär António Guterres anlässlich der UN-Klimakonferenz COP27 im November 2022: „Wir sind auf dem Highway in die Klimahölle und haben den Fuß auf dem Gaspedal“. [1]

Stimmen der Potestierenden aus der Region: 

Klimaschutzinitiative „Letzte Generation“
Foto: Letzte Generation

Tabea Ridtahler, 24 Jahre alt, Studentin der Sozialen Arbeit, stellt besorgt fest: „Bis letzten Samstag saßen einige meiner Mitstreiter:innen ohne Strafbefehl knapp 30 Tage in Präventionshaft in Bayern fest, weil sie für unser aller Lebensgrundlage friedlich Widerstand geleistet haben. Das ist nicht akzeptabel und meiner Meinung nach sehr unverhältnismäßig. Wir brauchen Sicherheitsmaßnahmen im Klimanotstand – jetzt!“.

Thomas Schmidt, 39 Jahre alt, Ingenieur, sagt: „Olaf Scholz hat am 1.11.22 beim KANZLERgespräch in Gifhorn auf meine Frage zum 9-Euro-Ticket gesagt, dass es einen erstaunlich großen positiven Effekt hatte. Warum wird es nicht fortgesetzt? 

Auch ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen würde ein klares Zeichen setzen, dass Klimaschutz und Achtsamkeit uns wichtiger sind als Luxus und Raserei. Deswegen unterstütze ich die Letzte Generation!“

Lilli, 22 Jahre, Studentin der Sozialen Arbeit: „Ich sitze heute hier, weil ich Angst um meine, um unsere Zukunft habe. Wir sind laut UN-Generalsekretär Guterres „auf dem Highway zur Klimahölle“. Genau deswegen muss die Regierung JETZT handeln und einfachste Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.

Denn wenn wir so weiter machen, werden schon 2050 zwei Drittel der Ernten ausfallen, so die Wissenschaft. Wir können es uns nicht länger leisten weiter rumzusitzen und nichts zu tun.“

Alice Rossa, 30 Jahre, Studentin der Sozialen Arbeit, Mutter von 3 Kindern:

„Die in der Vergangenheit von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen haben das Klima schon jetzt für viele Menschen und etliche nachfolgende Generationen verändert. Eine Millionen Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Auf dem Spiel steht unser komplettes Ökosystem, von dem auch unser Leben abhängt. Die Zukunft meiner Kinder und der zukünftiger Generationen hängt davon ab, wie wir uns und die Politiker*innen sich JETZT entscheiden. Mit meinem zivilen Widerstand, fordere ich die Politiker*innen hiermit dazu auf, JETZT mehr Klimaschutz zu betreiben, denn die Zeit rennt und ihr pennt!“

Axel Hake 53, Naturschutzreferent: „Wir stören heute den Alltag der fossilen Energieverbrennung, weil ein Weiter-so direkt in die Katastrophe führt. Als Naturschutzreferent sehe ich die Auswirkungen der Klimakrise im Wald jeden Tag. Die Fichte im Harz ist tot, auch die Buchen massiv geschädigt. Deutschland ist weltweit eine der Regionen mit dem größten Wasserverlust. Auf dem heutigen Kurs laufen wir auf eine 3 Grad heißere Welt zu. Wir brauchen sofortige massive Einsparungen fossiler Energie, zum Beispiel durch das Tempolimit. Nur so schaffen wir es, der Krise nicht nur hinterherzulaufen, sondern handlungsfähig zu bleiben und auf eine Überlebenswirtschaft umzustellen“.

Projektmanager Edmund Schultz, 58, zitiert Stefan Rahmstorf: „Wir sind die erste Generation, die die Klimakatastrophe spürt und die letzte Generation, die sie noch verhindern kann!“ [2] Er fährt fort: „Laut Klimawissenschaftler Sir David King sowie dem jüngsten Klimaschutzbericht der Vereinten Nationen haben wir dafür nur noch zwei bis drei Jahre Zeit. [3] Haben wir bis dahin nicht die Notbremse gezogen, werden sich die Klimakipppunkte die Erderhitzung von selbst beschleunigen und wir können absolut nichts mehr dagegen tun!“

Foto: Letzte Generation